Ein Spaziergang durch den sehenswerten Ort Ritterhude

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Rubrik Stadt-/Ortsbesichtigungen
Länge 3,72 km
Dauer ca. 1 - 1,5 Stunden
Streckenverlauf Hamme Forum, Schleuse, Dammgut, Alte Apotheke, Alte Post, St. Johannes Kirche, Turnhalle, Pfarrhaus, Riesschule, Rathaus, Mühle, Hamme Forum

Vielleicht führt Sie einer Ihrer nächsten Spaziergänge nach Ritterhude, dann empfehle ich Ihnen folgende Entdeckungsreise:

Beginnend am Hamme Forum und dem Anleger an der Schlossbrücke befinden wir uns am Ursprung der Gemeinde Ritterhude. Der Begriff „Hude“ stammt aus dem Altsächsischen und bedeutet Schiffsanlegestelle. Hier wurden Waren umgeschlagen: Torf, Muscheln, Klinker, Korn für die Mühle und Sandstein. An dieser Stelle befand sich auch ein alter Kalkofen, in dem mit Hilfe von Torf und Muscheln Kalk gebrannt wurde. Seit Urzeiten befand sich hier auch ein Krug - eine Schankwirtschaft für die Torfschiffer. Später wurde daraus ein Sommergarten, ein beliebtes Ausflugsziel für die Stadtbewohner aus Bremen. Aber es gab auch immer wieder Streitigkeiten mit der Stadt Bremen, weil die Schiffer beim Transport von Torf mit ihren Weser-Kähnen die Schlossbrücke beschädigten.

Wir überqueren die Schlossbrücke. Der Name „Schlossbrücke“ entstand aus ihrer Funktion, sie konnte nämlich geschlossen werden. Linker Hand befindet sich das Schlossbrückensiel. Dieses Siel ist 2010 erneuert worden. Die Sandsteinquader des alten Sieles und die zugehörigen Tore wurden an der Riesschule als historisches Zeugnis des Wasserbaus wieder aufgerichtet.

Der Spaziergang führt weiter über einen unter Denkmalschutz stehenden Deich, der vermutlich um das Jahr 1300 angelegt wurde. Fast alle Deiche sind durch Wegebau und Grabenaushub in ihrer ursprünglichen Form stark verändert worden. Vom Deich fällt der Blick auf Ritterhude und das grüne St. Jürgens Land.

Wir überqueren das Dammbrückensiel und gelangen auf die Dammbrücke. Von hier haben wir einen erhabenen Blick auf die Ritterhuder Schleuse. Die Schleuse wurde 1874/1875 zum Schutz vor Sturmfluten für das Niederungsgebiet gebaut. Die Schleuse sollte vor Überflutungen im Sommer schützen, im Winter waren die Überschwemmungen erwünscht. Der Schlick düngte die Felder. Im Wandel der Zeit vergrößerte sich durch die Weserkorrektion der Tidenhub. Mehrere Generationen von Wasserbauern bemühten sich, die Schleuse den geänderten Beanspruchungen anzupassen. Von ursprünglich 43 Zentimeter stieg der Tidenhub auf drei Meter. Erst durch den Bau des Lesumsperrwerks in Bremen-Grohn wurde die Ritterhuder Schleuse entlastet.

An der Stelle der Schleuse stand ursprünglich die alte Wasserburg von der Hude. Wahrscheinlich ist die Burg 1305 in der großen Fehde der Stadt Bremen gegen die Ritterschaft des Erzstifts zerstört worden. In der Wasserburg wohnte Lüder der I. von der Hude. Im Verlauf der Dammstraße an der Ecke zur Riesstraße befindet sich linksseitig das Dammgut. 1309 wird zum ersten Mal von einer Burg an der Stelle des heutigen Dammguts berichtet. Hier hat das Geschlecht von der Hude seinen Wohnsitz neu aufgebaut. Die Burg, der Mittelteil des heutigen Dammguts, wurde als Pfahlbau mit Graft und Zugbrücke errichtet. Bis 1775 blieb das Gut im Besitz der Familie von der Hude. 1776 erwarb der spätere Bürgermeister von Bremen, Georg von Gröning, das Dammgut, in dem heute noch die Familie von Rex-Gröning lebt. Es ist das älteste Gebäude der Gemeinde.

Wir biegen links in die Riesstraße ein; benannt wurde sie nach den Brüdern Johann Friedrich und Hermann Hinrich Ries. Die Geschichte der in Ritterhude geborenen Brüder klingt wie ein Märchen. Die beiden Männer wanderten 1865 bzw. 1866 nach Amerika aus. Sie schafften es, in New York ein Vermögen zu erwirtschaften, in dem sie äußerst sparsam lebten, Gewinne aus ihrem kleinen Lebensmittelgeschäft an der Börse zu mehren. Damit traten sie später als Teilhaber im legendären Savoy-Hotel ein. Sie fühlten sich ihrer Heimat jedoch immer stark verbunden und zeigten sich äußerst großzügig. In den Jahren 1912 bis 1931 stifteten sie der Gemeinde Ritterhude die Mittel zur Errichtung der sechs „Riesgebäude“.

So finden wir rechter Hand die Linden-Apotheke; 1926 zur ‚Förderung der Gesundheit‘ gestiftet. Das Gebäude wird im Moment saniert.

Wenig weiter steht auf der linken Seite die Alte Post, 1932 als letztes der Riesgebäude erbaut. Heute beherbergt das Gebäude die Sozialstation der Gemeinde Ritterhude.

Schräg gegenüber dominiert die Kirche St. Johannes das Bild. Bis 1792 stand in der Ortsmitte nur eine hölzerne Kapelle. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrmals neu errichtet und umgebaut. Der jetzige Bau entstand im Jahre 1792 mit einem separaten Glockenstuhl. 1892 wurde ein Kirchturm angebaut. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche bei Umbauten 1809 und 1936. Auch hier zeigten sich die Brüder Ries spendabel; für das Kircheninnere stifteten sie die Holzvertäfelung, das Gestühl und eine Orgel. Der Friedhof rund um die Kirche wurde bis 1874 genutzt. Die Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert erinnern als Zeitzeugen daran.

Wenig weiter auf der rechten Seite steht die Turnhalle. Es ist das erste Gebäude, das von den Brüdern Ries im Jahr 1912 gestiftet wurde.

Eines der nächsten Gebäude auf der rechten Seite ist die heutige Sparkasse. Das Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts als eines der ortstypischen Bauernhäuser als sogenanntes Zweiständerhaus erbaut. Das Gebäude wurde von der Sparkasse erworben und umfassend renoviert. Im Jahre 1986 wurde diese vorbildlich durchgeführte Sanierung mit dem Preis „Europa Nostra“ ausgezeichnet.

Auf der linken Seite befindet sich ein weiteres Riesgebäude - das Pfarramt. Ein elegantes, würdiges Klinkergebäude.

Im weiteren Verlauf der Riesstraße kommen wir zum Rathaus. Das Rathaus ist 1928 eingeweiht worden. Im Garten vor dem Rathaus befindet sich das Denkmal der Stifter, eine Stele mit Bronzereliefs der Brüder Ries. Vom Denkmal im wunderschönen Garten hat man einen guten Überblick auf vier der sechs Riesgebäude: das Rathaus, die Turnhalle, das Pastorenhaus und die Riesschule. Der Vorgarten wurde 1990 vom Leiter des Bauamtes neu gestaltet und ist mehrfach ausgezeichnet.

Ein Abstecher nach rechts führt uns zur Riesschule, seinerzeit das modernste Schulgebäude Preußens. Es wurde 1930 in Betrieb genommen und ebenfalls von den Ries-Brüdern gestiftet. Das Gebäude wurde auf vorbildliche Weise denkmalrechtlich saniert und dient jetzt als Gymnasium.

Neben der Riesschule wurde das anfangs genannte Schlossbrückensiel originalgetreu wieder aufgebaut. Die Tore wurden davorgelegt und eine Informationstafel beschreibt die Funktionsweise.

Wir gehen weiter entlang der Goethestraße und erleben auf der linken Seite einige vorbildlich sanierte alte Häuser. Wir kreuzen die Windmühlenstraße und folgen dieser linksseitig. Hier gelangen wir zur Ritterhuder Mühle, die nur aus Städtebauförderungsmitteln saniert wurde. Besichtigungen von der Aussichtsplattform, um Alt-Ritterhude aus der Höhe zu genießen, sind nach Anmeldungen möglich. Die Mühle hat ein Trauzimmer, dient dem Heimatverein Ritterhude und kann für Feierlichkeiten und kulturelle Zwecke genutzt werden.

Der Weg führt weiter auf den alten Friedhof von 1874; wir wandern durch die Kaiserlindenallee entlang des Sportplatzes und begeben uns links Richtung Rathaus.

Vom Rathaus aus rechts gelegen findet sich die Straße „Auf dem Berge“. Diese Straße wird geprägt durch alten Eichenbestand und wurde in vorbildlicher Weise saniert. Vom Hochpunkt der Straße „Auf dem Berge“ hat man einen wunderschönen Blick nach Bremen.

Weiter zur Riesstraße finden wir auf der linken Seite alte Gebäude, die ebenfalls bereits saniert wurden und das Ortsbild prägen. Hier gelangen wir wieder an den Ausgangspunkt unseres Spazierganges und beenden unseren Rundgang.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien viel Spaß beim Erkunden Ritterhudes.


Günter Schotge
Ehemaliger Sachgebietsleiter Bau, Planung und Umwelt

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